Archiv für die Kategorie „Pferdegeflüster“

18. Mrz 2011

Charly (Rasputin) und die Pferde Teil 2

Nicht das Charly Sammy jetzt in Ruhe gelassen hätte, nein er hatte sich vorgenommen seinen Erzfeind zu besiegen.

Und so kam es wie es kommen musste. Charly fegte wie üblich Sammy am laufenden Band an, ich jagte ihn zwar immer wieder weg, da ich schon bemerkt hatte das Sammy total übel gelaunt war, aber er wartete bis ich nicht mehr schaute und schlich sich wieder zu Sammy.

Charly hatte sich gemerkt das Sammy hinten ausdrosch und ihn auf der Koppel jagte. Also ging er hinten nicht mehr so nah ran und auf der Koppel hielt einen großen Abstand und blieb möglichst nahe am Zaun. Er hatte auch sehr wohl bemerkt das Sammy ihn im Stall nicht richtig verfolgen konnte, dort hatte er entschieden zu viele Fluchtmöglichkeiten und wenn er sich nur hinter mich stellte. Was ich nebenbei bemerkt ziemlich doof finde, ich kann mich nicht dafür begeistern eine wütende 600 kg Wumme zum stoppen zu bringen. Es ist so als würde man einen D-Zug zum anhalten bringen. Er bleibt zwar einige Zentimeter vor mir stehen aber dann schnaubt er grundsätzlich restlos verärgert heftig durch seine Nüstern und ich muss mir dann den feuchten Inhalt aus dem Gesicht wischen. Irgendwo hat meine Tierliebe auch seine Grenzen.

Nun, wie dem auch sei, Charly hatte sich vorgenommen Sammy in die Nase zu zwicken. Doch plötzlich sprang Sammy auf ihn zu und schlug mit den Vorderhufen nach ihm, darauf war Charly nicht gefasst, dass war neu. Der Huf traf ihn mitten im Gesicht. Charly schrie gleichzeitig mit mir auf und rannte ins Haus. Das konnte nicht gut gegangen sein, ich lief hinter ihm her um ihn mir anzusehen. Er hatte eine üble Platzwunde neben seinem Auge, ich machte mir aber noch mehr Sorgen um seinen Kopf, es war schließlich ein Volltreffer. Also wieder einmal zum Tierarzt. Charly hatte wie immer Glück, soweit fehlte ihm nichts. Er war ein paar Tage ruhiger, da er Kopfschmerzen hatte und sein Auge heilte auch wieder. Nur ein paar Millimeter mehr und er hätte es verloren.

Natürlich lernte Charly nicht daraus, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat dann soll es auch so sein.

Nach einigen Tagen Ruhe nahm er seinen Feldzug gegen Sammy wieder auf. Inzwischen bin ich schon fast davon überzeugt, dass man Charly mit einem Panzer überfahren könnte, ohne dass er einen größeren Schaden davon tragen würde. Ich sollte ihn vielleicht umtaufen in Rasputin.

15. Mrz 2011

Charly und die Pferde Teil 1

Schecken sind ganz böse Pferde und stehen auf seiner Feindeliste jetzt ganz oben. Er ging von da ab auf jeden Schecken los den er sah, aber nicht mehr von hinten sondern von vorn. Und Sammy schikanierte er wann immer er konnte. Der nächste Zusammenstoß war absehbar.

Wir waren auf der Koppel und Charly rannte schon eine ganze Weile bellend um Sammy herum der wiederum ständig nach ihm ausschlug. Da Charly aber nicht nah genug an ihn herankam, erwischte er Charly nicht und das merkte Sammy irgendwann. Also änderte er seine Taktik. Er rannte plötzlich auf Charly zu. Der stutzte einen Augenblick, erkannte dass es brenzlig wird und raste los. Charly ist sehr schnell und wendiger als Sammy also beobachtete ich das ganze erst amüsiert. Ich war mir ganz sicher dass Charly einen Haken nach links oder rechts schlagen und unter den Zaun durchschlüpfen würde. Das wäre der kürzeste Weg gewesen. Aber das tat Charly nicht, er lief geradeaus weiter und da war es bis zum Zaun noch ein weiter Weg. Sammy bekam immer mehr Tempo und der Abstand verringerte sich. Das registrierte Charly auch und legte noch einmal einen Zahn zu, aber Sammy holte trotzdem auf. Charly kniff seinen Schwanz zwischen die Beine (jetzt war der Abstand wieder einen kleinen Tick größer), er fand das nun nicht mehr lustig. Er fing das jaulen an und rannte  als wäre der Leibhaftige hinter ihm her, nun ja ein großer Unterschied war da ja auch nicht mehr. Charlys Hinterbeine überholten ihn schon fast, er spürte das Sammy schon dicht hinter ihm war, verzweifelt versuchte er sein Hinterteil einzuziehen. Ich fand es unglaublich dass man so noch laufen konnte, es sah aus als ob sein Hinterteil neben ihm herrennen würde. Es waren nur noch einige Meter bis zum Zaun. Sammy machte nicht annährend den Eindruck als hätte er vor zu bremsen, ich glaube er wollte nur noch Charly an den Kragen. Ich sah die beiden schon im vollen Speed durch den Zaun brechen. Charly flog förmlich unter den Zaun durch und Sammy legte einen perfekten Stopp mit einer 180° Grad Drehung hin. Ich war beeindruckt, vielleicht sollten wir doch die Ausbildung im Westernreiten erweitern.

Charly blieb einige Meter vom Zaun entfernt stehen, nun in Sicherheit fing er sofort wieder das bellen an. Zumindest so was ähnliches, was man halt dann noch so rausbringt zwischen dem Japsen.

18. Sep 2010

Neue Pferde – Fange um Fünf

Nicht, dass es nun ruhiger bei uns wurde, es kamen fünf Pferde dazu. Ein Pärchen, das sich in der Nähe ein Haus gekauft hatte, suchte Platz für ihre Pferde. Meine beiden Dicken waren ganz aus dem Häuschen, sie waren die letzten sechs Jahre immer nur zu zweit. Selbst als sie zum Beritt weg waren, standen sie nicht mit anderen Pferden zusammen – und jetzt kamen gleich fünf.

Dshafar vergaß augenblicklich, dass er seit einem Jahr kein Hengst mehr war. Er stolzierte nur noch durch den Stall, war plötzlich ein Meter größer und gab an, was das Zeug hielt. Das machte er aber nicht allzu lang. Es war eine große Bayrische Warmblutstute dabei, die, durch ihre Rossigkeit, ein sehr einnehmendes Wesen hatte. Sie versuchte ihn immer wieder im Stall in die Ecke zu drängen, und verfolgte ihn auch auf der Koppel penetrant. Dshafar war noch nie verschmust – die Aufmerksamkeiten wurden ihm entschieden zuviel. Irgendwann wurde er so grantig, dass er heftig nach ihr ausdrosch. Ab da fand sie ihn doof und hielt sich an Sammy.

Nachdem sich die Pferde alle eingewöhnt hatten und wieder Ruhe einkehrte, beschlossen sie, uns dabei zu helfen, die Schwachstellen der Koppel zu zeigen. Vorzugsweise am Sonntag in der Früh um fünf Uhr.

Die ersten beiden Male wachte ich auf und wunderte mich, wer zum Teufel zu so einer bescheuerten Zeit reitet, und dann blöd ständig vor’m Haus hin und her rennt. Zur Erläuterung: Ich bin kein Morgenmensch; wenn ich wach werde, bin ich froh, dass ich unbeschadet durch die Tür komme – und nicht alle paar Meter über ein Tier falle. Ich wankte auf den Balkon um zu schauen, was los ist: Da trampelten nicht Reiter herum, sondern unsere Pferde. Sie waren ausgebüxt.

Ok, ich war wach, sprang in meine Klamotten und rannte raus. Die Pferde rannten auch­ – und zwar ständig um das Haus herum. Wir spielten also fangen, am Sonntag, extra für mich mitten in der Nacht. Ich verfluchte sie in alle Himmelsrichtungen.

5. Mai 2010

Teil X und Schluss: Zwei Schrauben, 13 Platten und eine Wut auf Sammy

(c)GerdAltmann/pixelio.de

Was bisher geschah: Mein Pferd heißt Sammy. Es mag keine Tierkliniken. Wenn die Spritze droht, kann es schnell zur Katastrophe kommen. Und plötzlich hat man Fiffi und Stupsi an der Backe.
Diese Nacht war noch schlimmer als die letzte, der Arm tobte. Ich malte mir aus, was ich mit Sammy alles anstellen würde, wenn ich ihn zwischen meine Finger bekam. Jeder Folterknecht aus dem Mittelalter wäre blass vor Neid über meine Ideen geworden. In der Früh machte eine Schwester kurzerhand die Gipsschiene weg und mit der Zeit und etlichen Schmerztabletten wurde es besser.
Nicht dass mich das mildtätiger gestimmt hätte, was Sammy anbelangt. Jetzt hatte ich also zwei Platten  und 13 Schrauben drin, wobei die eine Schraube auf den Röntgenbildern so aussieht, als wäre sie noch fix reingeschraubt worden, damit sie nicht weggeräumt werden muss.
Sollte ich in der nächsten Zeit fliegen wollen, werde ich wohl durch die Gepäckschleuse müssen zum Beweis, dass ich keine gefährlichen Waffen mit ins Flugzeug schmuggle. Ich hatte nun zwei Drainagen drin und die fand ich schon nach kurzer Zeit total bescheuert. Andauernd kam ich mit diesen kilometerlangen Schläuchen ins Gehege, an deren Ende auch noch zwei  Plastikdosen befestigt waren. Ich rede gar nicht davon, wie unappetitlich diese Teile aussehen. Jedes Mal wenn ich ins Bad wollte, musste ich aufpassen, dass ich nicht auf die zwei – ich nannte  sie inzwischen Fiffi und Stupsi (andere Namen hatten sie nicht verdient) – drauftrampelte und mich verhedderte. Und jedes Mal blieb ich hundertprozentig irgendwo hängen, was ich postwendend schmerzhaft zu spüren bekam.
Als ich wieder einmal hängen blieb und ich ungeduldig daran herumzog, schnellte eine von den beiden hoch und in mein Bett. Ich kickte das Teil mit „sitz, platz, aus“ gerade aus meinen Bett, als eine neue Schwester hereinkam  und mich verwundert ansah. Ich erklärte ihr, dass zu Hause meine Hunde auch nicht ins Bett dürfen – ihr Blick wurde seltsam. Sie fragte mich, wie das mit meinem Arm passiert sei und als ich erzählte, dass ich versucht hatte, mein Pferd aufzufangen, sah sie mich extrem merkwürdig an. Also rechtfertigte ich mich, dass ich schließlich  nicht wissen konnte, dass mein Gaul die Flugrolle beherrscht. Prompt kam die Frage, ob ich nur am Arm erwischt wurde.
5. Mai 2010

Sammy und die Infusion IX – Willkommen in der Autopsie

(c)DieterSchütz/pixelio.de

Was bisher geschah: Mein Pferd heißt Sammy. Es mag keine Tierkliniken. Wenn die Spritze droht, kann es schnell zur Katastrophe kommen. So steckt man mit einem Bein in der Autopsie.

Ich war gerade dabei mir zu überlegen, ob es mir gelingen würde, ihr mein Knie ins Gesicht zu  rammen. Aber sie konnte anscheinend Gedankenlesen. Die Frau, die mich anhaltend mit Elektroschocks gequält hatte, hörte auf und der Narkosearzt betäubte endlich meinen Arm.
Es war unbeschreiblich schön, als der Schmerz schließlich weg war. Sie karrten mich in den OP-Saal – behaupteten sie zumindest. Es war eiskalt. „Na toll“, motzte ich, „jetzt bin ich in der Autopsie gelandet“. Meine fröhliche Praktikantin war wieder da, die mir vergnügt beteuerte, dass es ganz sicher der OP wäre. Ich glaubte ihr kein Wort. „Es ist eiskalt und im Hintergrund liegen bestimmt die ganzen Leichen, schaut euch das Krankenblatt bitte noch mal an, bei mir kommt was rein, nicht raus“.
Die Praktikantin versuchte erneut mich davon zu überzeugen, dass es der OP wäre. Ich denke, sie war sich nicht mehr sicher, ob ich es doch ernst meinte. Sie erklärte mir nun in sehr ernstem Tonfall, dass es die keimfreie Luft über mir wäre, die so kalt sei. Etwas weiter bei ihr wäre es schon viel wärmer. „Super“ meinte ich „dann roll mich doch weiter zu dir“. Das tat sie nicht. Dafür bekam ich gewärmte Handtücher und ein Schlafmittel. Zack war ich weg.
Als ich wieder aufwachte erschrak ich, warum auch immer. Der Narkosearzt bemerkte das und meinte heiter, „nicht erschrecken, ich bin es bloß“. Das „ja drum“ konnte ich grad noch runterschlucken. Leider hatte die Dosierung nicht ganz hingehauen, die waren mit meinem Arm noch gar nicht fertig und diese OP-Tische sind absolut unbequem, aber irgendwann war auch das überstanden.
Fortsetzung folgt.
5. Mai 2010

Sammy und die Infusion VIII: Folter bei der OP

(c)Thomas-Siepmann/pixelio.de

Was bisher geschah: Mein Pferd heißt Sammy. Es mag keine Tierkliniken. Wenn die Spritze droht, kann es schnell zur Katastrophe kommen. Und zu Folter auf dem Operationstisch.

Die Nacht war fürchterlich. Fand die Nachtschwester auch, nach der ich etliche Male klingelte. Es baute mich auch nicht auf, dass ich auf meinen Kaffee verzichten musste, da ich wegen der OP nüchtern zu bleiben hatte.

Mittag war es dann soweit. Sie schoben mich zum OP-Saal, zuerst in den Vorraum. Dort wartete eine fröhliche Praktikanten, die mir erzählte, dass sie sich noch nicht so gut auskennt. Hier fiel mir siedendheiß ein, dass ich vergessen hatte, meine private Zusatzversicherung zu erwähnen.

Zu der fröhlichen Praktikantin kam dann ein lustiger Narkosearzt, der mir munter erklärte, dass er meinen Arm mal eben nach oben biegt. Damit er mir mit der Nadel in die Achsel stechen kann, um mir da irgendwas reinzustopfen, woraufhin mein Arm zu zucken anfangen würde, was ich aber nicht kontrollieren könne. Betäubung? Nein, die gibt es später.

Ich fand seinen Humor überhaupt nicht komisch. Ich fand es auch kein bisschen witzig, als er nach ewigem Rumpieksen meinte, dass die Nadel stumpf sei. Meine Maulerei, dass sie halt mal zwischendrin die Nadeln auswechseln sollten, ignorierte er einfach. Dafür versicherte mir die Praktikantin, dass die Nadeln ganz bestimmt nach jedem Patienten weggeworfen werden. Ach wirklich? Ich schlug vor, den alten Nadelbestand  gleich mit wegzuwerfen  und mal die Neuen zu verwenden. Auch hier grinste der Doktor nur.

Nach einer Ewigkeit schaffte er, was er wollte – nicht dass ich  jetzt erlöst  gewesen wäre. Sie reizten meine Muskeln oder weiß der Kuckuck was mit Strom! Die Frau, die jetzt da war, drehte die ganze Zeit den Strom rauf  und  runter. Jedes Mal, wenn sie  höher drehte, tat es entsetzlich weh. Sie hörte auch gar nicht  mehr auf. Ich hatte  jetzt das dringende Bedürfnis, sie darüber aufzuklären, dass in anderen Ländern zwar noch gefoltert wird. Bei uns in Deutschland sei das verboten. Unglaublich, die tat glatt so, als hätte sie nichts gehört.

Fortsetzung folgt.

7. Apr 2010

Sammy und die Infusion VII – Reponieren ohne Narkose

Was bisher geschah: Mein Pferd heißt Sammy. Es mag keine Tierkliniken. Wenn die Spritze droht, kann es schnell zur Katastrophe kommen. Da hilft im Krankenhaus auch kein Krimi mehr.

Die ganze Situation wurde auch nicht besser, als mir einfiel, dass ich im Krankenhaus ja nichts dabei habe – mein Buch! Ich wollte jetzt unbedingt mein Buch! Der Tierarzt rang nun schon sehr mit der Fassung, als er mich fragte, was an dem Buch jetzt so wichtig wäre, sie würden es meinem Bekannten (der Sammy und mich wieder nach Hause fahren sollte) schon mitgeben.
„Ja“, stöhnte ich, „der brauch es nicht, ich brauch es, was glaubt ihr, wie stinklangweilig es im Krankenhaus wird!“ Jetzt stöhnte der Tierarzt und ich bekam was zu hören über gebrochenen Arm, nur das Pferd im Kopf und nun ein Buch, aber es wurde mitgegeben.
Der Weg zum Krankenhaus kam mir ewig lang vor, trotz des sehr netten Sanitäters. Mir verging mit zunehmenden Schmerz die Lust zu reden, ich wollte nur noch meine Ruhe. Aber die bekam ich noch lange nicht. Ich hatte inzwischen nur noch das T-Shirt an, und als wir im Krankenhaus ankamen, wurde ich in einen Raum geschoben, der sehr kalt war. Jetzt musste ich mir auch noch das T-Shirt runterschneiden lassen, die Jeans ausziehen und dieses Krankenhausnegligé anziehen, das  bekanntlich nicht sehr warm ist. Später kamen noch diese flotten Krankenhausstrapse dazu, auch unter der Bezeichnung Stützstrümpfe bekannt.
Mir wurde beim Anziehen zwar heiß wegen des höllischen Schmerz’, dann fror ich aber entsetzlich. Ich war jetzt an einem Punkt angelangt, an dem sich mein Humor gewaltig zurück zog. Er verschwand ganz, als der Arzt kam.
Nachdem er sich vorgestellt hatte, war er mir noch sympathisch. Er sah nett aus und teilte mir mit, dass er nun meinen Arm reponieren würde, dann käme eine Schiene drauf und am nächsten Tag würde ich operiert werden.
Bei dem Wort „reponieren“ wurde ich misstrauisch. Als ich wissen wollte, was genau das heißt, erklärte er mir so ganz nebenbei, dass er meinen Arm nehmen und ihn strecken würde und dann solange halte, bis die Gipsschiene drum ist. Natürlich ohne Narkose. Mich traf der Schlag der Erkenntnis.
Der Arzt war ein Sadist! Nach den Höllenqualen – erstaunlich, was ein Mensch so alles aushält, ich hatte gehofft ich würde wenigstens ohnmächtig – wurde ich endlich in ein Zimmer geschoben. Ich schnappte mir mein Buch und versuchte mich mit meinem Krimi abzulenken.

Fortsetzung folgt

7. Apr 2010

Sammy und die Infusion VI – Schlag auf den Kopf

(c)Gerd-Altmann/pixelio.de

Was bisher geschah: Mein Pferd heißt Sammy. Es mag keine Tierkliniken. Wenn die Spritze droht, kann es schnell zur Katastrophe kommen. Trotz Höllenschmerz im Arm würde ich mein Pferd am liebsten schlagen.

Der Tierarzt beschloss gerade, den Notarzt anzurufen. Mir fiel nichts Blöderes ein, als ihn auch noch etwas zu schockieren. Ich fragte ihn, wozu er den Notarzt brauche, er sei Tierarzt, ich läge schon auf dem OP-Tisch, er habe ein Röntgengerät, Narkosemittel – ich hätte gerne die Dosis für Pferde – und bestimmt irgendwelche Schienen, dann kann er das mal eben schnell richten und ich fahre mit Sammy wieder nach Hause.
So wie er mich ansah, fragte er sich vermutlich, ob ich den Schlag wirklich nur auf den Arm bekommen hatte. Die Krankenschwester, die sich nach wie vor total nett um mich kümmerte, hatte da etwas mehr Humor. Kurz, ich kam nicht drumherum, der Notarzt wurde gerufen.
Der verpasste mir gleich ein Schmerzmittel. Ich möchte ich gar nicht wissen, wie es ohne weitergegangen wäre, es tat trotzdem höllisch weh. Da ich medizinisch so gar nicht auf dem neuesten Stand bin, dachte ich, dass mir im Krankenhaus ein Gips verpasst wird und ich danach nach Hause kann.
Ich fragte also, wie lange so was dauert, damit man weiß, wann ich wieder abgeholt werden kann. Jetzt fragte mich der Arzt aber nicht nur einmal, ob wirklich nur mein Arm getroffen worden sei. Er verkündete mir in einem Ton, der so gar keinen Widerspruch duldete, dass ich mindestens drei bis fünf Tage im Krankenhaus bleiben müsse, es kämen Platten rein und Drainagen – heutzutage gipst man nicht mehr – und diese Drainagen würden allein schon mindestens zwei Tage im Arm bleiben.
Jetzt fing ich allmählich wirklich an, auf Sammy wütend zu werden. Er hatte noch nicht einmal einen Kratzer und ich musste ins Krankenhaus. Giftig teilte ich dem Tierarzt mit, dass ich die Osteopathin nicht anrufen würde, falls Sammy sich beim Sturz irgendwelche Wirbel verschoben habe. Dann kann er in Zukunft verschoben rumlaufen.
Statt mich zu bestärken, sah mich der Tierarzt wieder an, als hätte ich einen Hirnschaden und der Notarzt fragte auch schon wieder, ob ich wirklich nur am Arm getroffen wurde. Es wurde langsam lästig.

Fortsetzung folgt.

7. Apr 2010

Sammy und die Infusion – Teil V: Adrenalin

(c)TanjaL./pixelio.de

Was bisher geschah: Mein Pferd heißt Sammy. Es mag keine Tierkliniken. Wenn die Spritze droht, kann es schnell zur Katastrophe kommen. Vor allem, wenn statt des Gauls schließlich ich selbst auf dem Operations-Tisch eines Tierarztes liege.

Die Ärztin wollte wissen, ob meine Jacke wertvoll sei oder ob sie das gute Stück aufschneiden könne. Wertvoll war sie nicht, aber ich hätte schon wieder losgehen und mir eine Neue kaufen müssen. Darauf hatte ich keine Lust, also sagte ich ihr, dass wir sie normal ausziehen.
Der Adrenalinschub, der freigesetzt wird, wenn einem etwas passiert, hat etwas für sich, könnte aber ruhig wesentlich länger anhalten.
Als sie die Jacke auszog, bereute ich meinen Entschluss augenblicklich. Jetzt kam der Schmerz, und mein Kreislauf hatte plötzlich einen dringenden Termin außerhalb. Den Pulli ließ ich sie aufschneiden.
Inzwischen war die Tierärztin zu uns gekommen. Ich fragte sie sofort, wie es Sammy ginge. Sie sagte, es sei alles in Ordnung. Sie könne zwar nicht verstehen, wie er das geschafft habe, aber er hat sich den Hals nicht gebrochen, er hat sich überhaupt  nicht verletzt.
Er hat es sogar fertig gebracht, sich nicht einmal die Kanüle aus dem Hals zu ziehen. Erleichtert meinte ich, dass das doch prima sei, dann kann man ihm die restliche Infusion ja noch durchlaufen lassen. Damit brachte ich sie allerdings etwas aus dem Konzept. Irritiert fragte sie mich, ob ich jetzt keine anderen Sorgen hätte, wie etwa einen gebrochenen Arm. „Na der ist durch, da kann man jetzt eh nichts mehr machen“, erwiderte  ich – nicht gerade im fröhlichen Plauderton. Es kam  wohl eher gepresst mit der dazu passenden grauen Gesichtsfarbe.
In der Zwischenzeit kam auch der zweite Tierarzt. Er war völlig fassungslos. Die Tierärztin ging wieder zu Sammy. Kaum war sie draußen, hörte ich sie fürchterlich schimpfen. Die vertrauten Geräusche einer ordentlichen Abreibung mit der flachen Hand für ein Pferd drangen an mein Ohr.
Ich haute gedanklich mit. Der Schmerz im Arm wurde langsam wirklich übel.
Fortsetzung folgt.
8. Mrz 2010

Sammy und die Infusion IV – Armbruch statt Halsbruch

(c)TanjaRitter/pixelio.de

Was bisher geschah: Mein Pferd heißt Sammy. Es mag keine Tierkliniken. Wenn die Spritze droht, kann es schnell zur Katastrophe kommen. Vor allem, wenn das Pferd keine Lust mehr auf die Nadel hat und zum Sprung ansetzt.

Sammy hatte sich jedenfalls in den Kopf gesetzt, die Behandlung zu beenden und zu gehen, also nahm er richtig Schwung und setzte erneut zum Sprung an. Und was macht man als besorgte Besitzerin eines kompletten Vollidioten? Man versucht ihn vor dem sicheren Genickbruch zu retten und probiert ihn wieder zurück zu schieben.
Leider war das Unterfangen angesichts der Tatsache, dass sich da gerade fast 600 Kilogramm mit Schwung in Bewegung gesetzt hatten, von vorne herein aussichtslos.
So hörte ich plötzlich einen hässlichen  Knacks. Bei dem merkwürdige Gefühl in meinen Arm hatte ich einen bösen Verdacht: „Ich glaube, er hat mir den Arm gebrochen“, hörte ich mich sagen.
Muss wohl passiert sein, als er auf dem Weg nach draußen einen Huf über die Wand brachte. Ich hatte aber gar keine Zeit, mich meinem Arm zu widmen, ich war noch zu sehr in Panik wegen Sammy, er war ja mit seinem Ausbruch-Versuch noch nicht fertig.
Es gelang ihm, den zweiten Huf über die Wand zu bringen. Da er aber links und rechts angebunden war und die Panikhaken wie immer in solchen Situationen nicht aufgingen, konnte  er nicht springen.
Er fiel Kopf voraus nach unten. Dann ging alles wie im Zeitlupentempo. Nachdem der Kopf am Boden aufkam, bog sich sein Hals ganz übel durch, als sein restlicher Körper nachrutschte. Das war der Moment, indem wir alle glaubten, dass jetzt sein Genick bricht.
Er machte einen richtigen Purzelbaum. Ich sah, dass er noch strampelte und wollte sofort zu ihm, aber inzwischen war eine Krankenschwester bei mir und schob mich aus dem Raum.
Sie hatte meine Äußerung bezüglich meines Arms gehört. Trotz Winterjacke konnte man  erkennen, dass er komisch aussah. So  verbogen. Sie brachte mich in den Pferde-OP und ich musste mich dort auf den Operations-Tisch legen.
Fortsetzung folgt.