Nicht, dass es nun ruhiger bei uns wurde, es kamen fünf Pferde dazu. Ein Pärchen, das sich in der Nähe ein Haus gekauft hatte, suchte Platz für ihre Pferde. Meine beiden Dicken waren ganz aus dem Häuschen, sie waren die letzten sechs Jahre immer nur zu zweit. Selbst als sie zum Beritt weg waren, standen sie nicht mit anderen Pferden zusammen – und jetzt kamen gleich fünf.
Dshafar vergaß augenblicklich, dass er seit einem Jahr kein Hengst mehr war. Er stolzierte nur noch durch den Stall, war plötzlich ein Meter größer und gab an, was das Zeug hielt. Das machte er aber nicht allzu lang. Es war eine große Bayrische Warmblutstute dabei, die, durch ihre Rossigkeit, ein sehr einnehmendes Wesen hatte. Sie versuchte ihn immer wieder im Stall in die Ecke zu drängen, und verfolgte ihn auch auf der Koppel penetrant. Dshafar war noch nie verschmust – die Aufmerksamkeiten wurden ihm entschieden zuviel. Irgendwann wurde er so grantig, dass er heftig nach ihr ausdrosch. Ab da fand sie ihn doof und hielt sich an Sammy.
Nachdem sich die Pferde alle eingewöhnt hatten und wieder Ruhe einkehrte, beschlossen sie, uns dabei zu helfen, die Schwachstellen der Koppel zu zeigen. Vorzugsweise am Sonntag in der Früh um fünf Uhr.
Die ersten beiden Male wachte ich auf und wunderte mich, wer zum Teufel zu so einer bescheuerten Zeit reitet, und dann blöd ständig vor’m Haus hin und her rennt. Zur Erläuterung: Ich bin kein Morgenmensch; wenn ich wach werde, bin ich froh, dass ich unbeschadet durch die Tür komme – und nicht alle paar Meter über ein Tier falle. Ich wankte auf den Balkon um zu schauen, was los ist: Da trampelten nicht Reiter herum, sondern unsere Pferde. Sie waren ausgebüxt.
Ok, ich war wach, sprang in meine Klamotten und rannte raus. Die Pferde rannten auch – und zwar ständig um das Haus herum. Wir spielten also fangen, am Sonntag, extra für mich mitten in der Nacht. Ich verfluchte sie in alle Himmelsrichtungen.