12. Jan 2012

Neue Pferde – Fange um Fünf

pixelio.de // Günther Havlena

Nicht, dass es nun ruhiger bei uns wurde, es kamen fünf Pferde dazu. Ein Pärchen, das sich in der Nähe ein Haus gekauft hatte, suchte Platz für ihre Pferde. Meine beiden Dicken waren ganz aus dem Häuschen, sie waren die letzten sechs Jahre immer nur zu zweit. Selbst als sie zum Beritt weg waren, standen sie nicht mit anderen Pferden zusammen – und jetzt kamen gleich fünf.

Dshafar vergaß augenblicklich, dass er seit einem Jahr kein Hengst mehr war. Er stolzierte nur noch durch den Stall, war plötzlich ein Meter größer und gab an, was das Zeug hielt. Das machte er aber nicht allzu lang. Es war eine große Bayrische Warmblutstute dabei, die, durch ihre Rossigkeit, ein sehr einnehmendes Wesen hatte. Sie versuchte ihn immer wieder im Stall in die Ecke zu drängen, und verfolgte ihn auch auf der Koppel penetrant. Dshafar war noch nie verschmust – die Aufmerksamkeiten wurden ihm entschieden zuviel. Irgendwann wurde er so grantig, dass er heftig nach ihr ausdrosch. Ab da fand sie ihn doof und hielt sich an Sammy.

Nachdem sich die Pferde alle eingewöhnt hatten und wieder Ruhe einkehrte, beschlossen sie, uns dabei zu helfen, die Schwachstellen der Koppel zu zeigen. Vorzugsweise am Sonntag in der Früh um fünf Uhr.

Die ersten beiden Male wachte ich auf und wunderte mich, wer zum Teufel zu so einer bescheuerten Zeit reitet, und dann blöd ständig vor’m Haus hin und her rennt. Zur Erläuterung: Ich bin kein Morgenmensch; wenn ich wach werde, bin ich froh, dass ich unbeschadet durch die Tür komme – und nicht alle paar Meter über ein Tier falle. Ich wankte auf den Balkon um zu schauen, was los ist: Da trampelten nicht Reiter herum, sondern unsere Pferde. Sie waren ausgebüxt.

Ok, ich war wach, sprang in meine Klamotten und rannte raus. Die Pferde rannten auch­ – und zwar ständig um das Haus herum. Wir spielten also fangen, am Sonntag, extra für mich mitten in der Nacht. Ich verfluchte sie in alle Himmelsrichtungen.

22. Jun 2011

Hunde bei Vollmond -Ende

„Denk gar nicht dran. Wenn du nach mir schnappst, schmeiß ich dich an die Hauswand“ drohte ich ihm. Vorsichtig setzte ich ihn wieder auf den Boden, hielt ihn aber am Nackenfell fest und schleifte ihn zum Haus. Er tobte immer noch und würde sich auch nicht so schnell beruhigen. Timmy hatte sich nicht an die von Charly aufgestellt Regel gehalten. Charly war derjenige der Angriff, Timmy durfte sich lediglich wehren, mehr aber auch nicht. Wie konnte er es also wagen Charly zu attackieren, wenn der mit dem Kopf nach unten über den Boden schwebte.

Ich sorgte dafür, dass sich die Hunde bis zum nächsten Morgen nicht mehr begegneten. Außerdem beschloss ich, mir niemals einen Hund anzuschaffen der mehr als 20 kg wiegt. Eher weniger, man wird ja schließlich nicht jünger.

Und ich wollte auch endgültig nie wieder mehr als 2 Hunde und ich war mir sicher, dass, wenn eines Tages nur noch Charly da sein sollte, auf jeden Fall eine Hündin ins Haus kommt, da gab es gar nichts zu diskutieren. In diesem Punkt würde ich unter gar keinen Umständen mit mir Reden lassen. Charly wird sich nie ändern, im Gegenteil der wird eher ein noch grantigerer Rentner der schon in die Luft geht weil eins der Tiere verkehrt schnauft.

Ich Ahnungslose.

30. Mai 2011

Hunde bei Vollmond -Teil 2

Wir hatten wieder Vollmond und Charly war, wie üblich, giftig ohne Ende. Da kam Christa. Es ist nun mal Charlys Christa, sie teilt er schon mit keinem anderen Hund wenn er gut gelaunt ist.

Christa ging in unsere Sattelkammer und Charly hinterher um sie ausgiebig zu begrüßen. Timmy hatte Christa aber auch gesehen und er weiß, dass sie manchmal Brot für die Hühner dabei hat und es ihm immer wieder gelingt davon was zu klauen. Also folgte er ihr auch in die Sattelkammer. Und dann ging’s los. Die Sattelkammer ist nicht sehr groß, die Hunde rauften sich genau vor der Tür und Christa konnte weder vorbei noch groß ausweichen.

Jetzt war es soweit, ich konnte den Wassertipp ausprobieren. Das mit dem Gartenschlauch ging zwar nicht, dazu war der Schlauch zu kurz aber wir haben ja genügend Eimer.

„Warte, ich komm gleich wieder!“ rief ich Christa sinnigerweise zu.

„Ja, wo soll ich den hin! Schick dich!“ antwortete sie mit besorgter Stimme. Sie schien sich irgendwie nicht so wohl zu fühlen.

Aber sie hatte eh Glück, ich musste die Eimer nicht erst groß auffüllen. In den Trögen war noch genügend Regenwasser. Ich griff mir einen Eimer machte ihn voll, lief zu den Hunden zurück und pfefferte das Wasser zwischen sie.

Für alle die es ausprobieren wollen. Es klappt nicht!

Außer vielleicht, wenn man es schafft eine ganze Ladung Wasser mitten ins Maul zu schütten, hier kann ich mir vorstellen das zumindest dieser Hund das beißen unterbricht weil er mit ertrinken beschäftigt ist. Der andere hört dann evtl. auch auf weil er sich wundert was mit seinem Kampfpartner los ist.

Meine beiden ließen sich nicht für einen Bruchteil einer Sekunde aus dem Konzept bringen, sie rauften unbeirrt weiter. Also gut, die altbewährte Methode, Charly schnappen. Doch das ging diesmal nicht. An dem Tag war Timmy auch wütend und er biss wild zurück. Nun war ich doch etwas irritiert, wie sollte ich sie schnell auseinander bringen? Christas Nerven lagen inzwischen leicht blank.

Na ja, dachte ich mir, wenn ich ihn vorne nicht halten kann, dann eben hinten. Ich schnappte ihn an den Hinterpfoten und zog ihn raus. Ja toll, was war das denn, sie ließen sich nicht los. Ich packte Charlys um die Hüfte und hob ihn hoch. Er ließ immer los wenn er keinen Bodenkontakt mehr hatte. Ja er schon, aber Timmy nicht.

„Ja bist du narrisch, hörst du auf!“ schnauzte ich Timmy an. Ich hielt Charly immer noch hoch und allmählich wurde er schwer. Gut, Timmy hörte auf. Aber das half mir trotzdem nicht weiter, Charly war außer sich vor Wut. Ich wusste, dass er auf Timmy wie eine Furie losgehen würde wenn ich den ausließ. Während ich mir noch überlegte wie ich die Situation in den Griff  bekommen sollte, drehte sich Charly zu mir um. Er erinnerte mich an diese beweglichen Plastikschlangen die es früher einmal gab. Als kleines Mädchen hatte mir mein Vater so eine Schlange geschenkt als wir im Tierpark waren.

23. Mai 2011

Hunde bei Vollmond -Teil 1

War allerdings da noch der Vollmond, hier mutiert Charly zum Monster. Keiner von uns wäre erstaunt wenn er sich auf einmal in einen Werwolf verwandeln würde. Das Aggressionspotential ist schon mal herausragend vorhanden. In dieser Zeit wacht Charly früh auf und alles was bei drei nicht aus dem Weg ist, wird angegriffen. Er brummt sogar uns an. Aus sicherer Entfernung.

An solchen Tagen, besser gesagt Abenden (es ist fast immer am Abend), geht es bei den Raufereien richtig zur Sache. Aber auch da sind wir ein eingespieltes Team, dann muss es nämlich schnell gehen. Ich stürze mich auf Charly, Erik reißt die nächste Tür die nach draußen geht auf. Während ich Charly rauswerfe, greift sich Dirk Timmy (an diesen Tagen hört der dann nämlich auch nicht auf), ich schmeiße die Tür zu und Erik holt schon mal Desinfektionsmittel. Haben sich alle so einigermaßen beruhigt folgt die Schadensbegutachtung, gegebenenfalls Wundversorgung mit einer gehörigen Portion Strafpredigt und anschließendem Hundekorbarrest.  Lassen sie sich ihren Blödsinn in der Küche einfallen wenn ich gerade am Kochen bin, schleichen sie vermutlich mit gewaltigem Ohrenrauschen in ihre Körbe wenn ich mit ihnen fertig bin.

Ja, da kann ich schon mal lästig werden.

Sie können sich meinen Spott am nächsten Tag absolut sicher sein, wenn sie als Hinkelottaduo durch die Gegend humpeln.

Unsere Streithammel hatten sich am Abend zuvor mal wieder geprügelt. Eine Prügelei der heftigeren Sorte was glücklicherweise seltener vorkommt. Als ich Früh die Hunde rauslassen wollte, lagen beide noch in ihren Körben. Sie starrten sich an, knurrten, sprangen plötzlich wie von der Tarantel gestochen auf und rannten zur Treppe, jeder wollte der erste sein. Tja, nur blöd wenn man sich gegenseitig die Pfoten anknabbert und dann nicht mehr dran denkt. Sie purzelten flott die Treppe runter.

„Ist es euch wieder eingefallen? Jeder von Euch hat ein kaputtes Bein! Ihr könnt nicht richtig laufen, ihr habt jetzt nämlich Schmerzen“ erinnerte ich sie „aber ihr könnt euch ja gegenseitig stützen“. Bei dem einen war es das linke und bei dem anderen das rechte Bein.

Das kam für die beiden schon mal gleich gar nicht in Frage. Sie rappelten sich auf und hüpften, sorgfältig darauf achtend die jeweilige ramponierte Pfote nicht zu belasten, die restlichen Treppen abwärts. Und trotzdem konnten sie es nicht lassen sich knurrend wegzudrängeln. Es sah fast so aus als würden sie versuchen sich gegenseitig von der Treppe zu schuppsen.

Wieder einmal fragte ich mich, wo eigentlich der Unterschied zwischen den Hunden und den Kindern ist.

Man hört ja immer wieder, dass man raufende Hunde angeblich mit einem Eimer Wasser oder den Gartenschlauch auseinander bringt. Ich wollte das schon immer einmal ausprobieren, konnte mich aber nie dazu aufraffen. Der Gedanke hinterher alles wieder aufwischen zu müssen war zu abschreckend. Könnte natürlich auch sein das Timmy und Charly von diesem Tipp auch gehört haben und deshalb beschlossen haben „Nö, streiten nur im Haus“.

Aber eines Tages bekam ich die Gelegenheit.

17. Mai 2011

Was macht schon ein Hund mehr oder auch zwei ? Teil 3

Ein paar Wochen war tatsächlich Ruhe und dann gingen die Raufereien wieder los, lediglich nicht mehr so heftig.

Also hatte ich für die Zukunft die Wahl bei jeder Rauferei die Krise zu bekommen oder mich daran zu gewöhnen und mir Taktiken auszudenken wie man die zwei am schnellsten wieder auseinander bringt.

Das mit der Krise ist nicht mein Ding.

Von klein auf wurde mir eingeschärft, dass man nie zwischen zwei beißende Hunde langt. Also versuchte ich, sie mit einem Besen auseinander zu hebeln, nach zwei verbogenen Besenstielen fand ich das doof. Mit dem Stuhl klappte es auch nicht, weil sie immer nie an einer Stelle blieben oder warteten bis ich den Stuhl in der richtigen Position hatte (meinen Befehl „haltet doch mal still“ nahmen sie einfach nicht zur Kenntnis), dass war nervig.

Nachdem Charly in der Regel beim Kampf oben ist und geeignetes Nackenfell hat (von dem ist zum festhalten genügend vorhanden)  und Timmy grundsätzlich gar nicht raufen würde, schickte ich die Warnung meiner Mutter in die Wüste. Ich schnappe Charly am Nackenfell, ziehe ihn weg und schmeiß ihn raus bis er sich wieder beruhigt.

Wenn man das oft genug macht, wird es Routine. Zumindest für die Jungs und mich. Fangen die beiden in der Nähe der Terrassentür Krieg an, unterbreche ich inzwischen nicht einmal das Gespräch, während ich die Hunde trenne. Wenn allerdings Besuch da ist, rede irgendwie nur noch ich, der Besuch ist damit beschäftigt seine Nerven wieder in den Griff zu bekommen. Der erste Satz der wieder über deren Lippen kommt, lautet in der Regel „Wie kannst du nur so ruhig bleiben?!“

Wie gesagt, Alltag, reine Routine.

Meistens sind es bei den beiden ohnehin nur lautstarke Auseinandersetzungen die zwar fürchterlich aussehen (man könnte meinen sie reißen sich in Stücke), aber außer das Charly versucht das Fell von Timmy wieder aus dem Maul zu bekommen, passiert nichts ernstes.

Meistens.

12. Mai 2011

Was macht schon ein Hund mehr oder auch zwei ? Teil 2

Also ihre Hündin hatte ich deutlich kleiner in Erinnerung und er war ja noch nicht ganz ausgewachsen. Und was alles bei ihm mitgemischt hat konnte ich auch nicht erkennen und wir rätseln heute noch. Die Bellerei bekamen wir  in den Griff.

So nach 4 oder 5 Monaten.

Gut das unser Nachbar nur stundenweise anwesend ist. Erstaunlich was für eine Ausdauer so ein Hund haben kann. Wenn meine Söhne meinen letzten Nerv aufgearbeitet haben und ich sie furchtbar anbrülle, bin ich für ein paar Tage heiser.

Nun, Charly wurde erwachsener und damit ging die Gaudi los.

Rico war der Rudelführer, ein ausgesprochen souveräner. Bonny hatte als einzigste Hündin ihre Sonderposition, sprich sie durfte alles. Timmy war froh wenn ihm keiner was tat und Charly wurde zum Alptraum. Er wurde immer dominanter. Wenn er es bei Rico übertrieb, lag er blitzschnell auf den Rücken (ich habe nie gesehen wie er das gemacht hat), stellte sich über ihn und zeigt nur seine Zähne. Er biss nicht zu und er knurrte auch nicht. Bonny war schnell mit ihm fertig, sie schmiss sich einfach auf ihn drauf.

40 kg auf 20 kg geparkt sind einfach ein überzeugendes Argument. Und wenn sie Zähne zeigte und knurrte war das schon sehr beeindruckend. Also blieb nur noch Timmy. Auch wenn der Streitereien grundsätzlich aus dem Weg ging, war er nicht bereit sich von so einem Jungspunt schikanieren zu lassen.

Los ging es immer mit wildem geknurre, wenn Rico in der Nähe war, baute er sich vor den beiden auf und fixierte sie. Er sah sie solange an bis sie auseinander gingen. Rico war aber nicht immer in der Nähe und dann kam es zur Rauferei. Jetzt mischte Bonny mit und es war immer dasselbe. Rico packte Charly, der immer oben war, am Schlawickel und zog ihn weg, während sich Bonny auf Timmy fallen ließ. Charly überließ ich dann Rico und ging Timmy retten, ich wollte ja nicht das er unter Bonny erstickt. 

Die Rauferein zwischen Timmy und Charly häuften sich aber immer mehr und wurden ernster. Und als ich ein zweites mal Wunden versorgen und Blut wegwischen durfte, machte ich einen Termin beim Tierarzt aus.

Zweimal kastrieren bitte.

Bis zum Termin verstanden die zwei sich auf einmal hervorragend.

„Das hilft euch auch nichts mehr, der Termin wird nicht abgesagt und wenn ihr in einem Hundekorb schlaft und euer Futter teilt“.

 So kamen beide unters Messer, wachten gemeinsam auf, es war ihnen gemeinsam schlecht, sie teilten gemeinsam das Schicksal der Halskrause. Und bei soviel Gemeinsamkeiten wurden sie die besten Freunde und leben seither friedlich zusammen.

Ja denkste.

9. Mai 2011

Was macht schon ein Hund mehr oder auch zwei ? Teil 1

Für mich war immer klar, dass ich nie mehr als zwei Hunde halten würde. Das kam für mich nie in Frage, ein Thema das man mit mir gar erst zu diskutieren brauchte. Und plötzlich waren es vier.

Timmy und Jessy sollten für 3 Wochen zu uns, solange wollte ein Arbeitskollege von Ralph in den Urlaub.

Seit 12 Jahren warte ich darauf, dass er wieder kommt.

Als uns klar wurde das die Hunde nicht mehr abgeholt werden, mussten wir uns überlegen was mit ihnen geschehen sollte.

Jessy wich mir vom ersten Tag an nicht mehr von der Seite, lediglich unter die Dusche lief sie nicht mit. Timmy trauerte die ersten Tage schwer und war sehr verängstigt, was aufgrund seiner Vorgeschichte nicht verwunderlich war. Er kam ursprünglich aus Italien, auf der Straße geboren, wurde er noch sehr jung von einem „aufgenommen“ der ihn an eine ganz kurze Kette legte und häufig prügelte. Als Timmy von anderen Hunden übel gebissen wurde, brachte ihn der Arbeitskollege, der dort gerade im Urlaub war, zum Tierarzt und nahm ihn mit nach Deutschland.

Das Tierheim zogen wir also gar nicht in Erwägung und andere Plätze für sie suchen kam für uns auch nicht in Frage. Das wollten wir den beiden nicht antun.

Wir wollten allerdings auch keinen Nachwuchs und so ließen wir Jessy kastrieren. Nachdem wir gerade umzogen, ging ich zu einer Tierärztin die ihre Praxis ganz in unserer Nähe neu eröffnet hatte. Sie pfuschte und Jessy überlebte es nicht.

Timmy flippte komplett aus, es wurde so schlimm, dass ich überlegte, ob es besser werden würde, wenn wieder eine kleine Hündin da wäre. Das erzählte ich meiner Hundetrainerin.

Es dauerte nicht lange und sie rief mit den Worten „du bist jetzt meine einzige Hoffnung“ an. Ich hätte ihr ja gesagt, dass ich noch einen Hund holen wollte und sie hätte einen der ganz dringend einen Platz braucht. Er wäre 8 Monate alt und kam mit 4 Monaten ins Tierheim weil er so bellt. Im Tierheim wäre er aber nur in einem Außenzwinger (es war November), was mit seinem kurzen Fell unmöglich wäre und als Folge davon hätte er eine schwere Lungenentzündung. Er sollte aber wieder in diesen Außenzwinger zurück und der Tierarzt sagte einen Rückfall würde er nicht überleben.

Uff.

Ich wollte aber nur eine kleine Hündin, warf ich, mit einem bereits schlechten Gewissen das ich das überhaupt noch erwähne, ein. Ich hätte dann drei Rüden im Haus, ob das gut gehen würde?

Das ist bestimmt kein Problem, er wäre ja so brav und verträglich und ungefähr so groß wie ihre Hündin. Es ist ja nur weil er ständig bellt wenn er allein gelassen wird, deshalb nimmt ihn keiner.

Sie brachte Charly persönlich vorbei, aus Köln.

9. Mai 2011

Was macht schon ein Hund mehr oder auch zwei ? Teil 4

War allerdings da noch der Vollmond, hier mutiert Charly zum Monster. Keiner von uns wäre erstaunt wenn er sich auf einmal in einen Werwolf verwandeln würde. Das Aggressionspotential ist schon mal herausragend vorhanden. In dieser Zeit wacht Charly früh auf und alles was bei drei nicht aus dem Weg ist, wird angegriffen. Er brummt sogar uns an. Aus sicherer Entfernung.

An solchen Tagen, besser gesagt Abenden (es ist fast immer am Abend), geht es bei den Raufereien richtig zur Sache. Aber auch da sind wir ein eingespieltes Team, dann muss es nämlich schnell gehen. Ich stürze mich auf Charly, Erik reißt die nächste Tür die nach draußen geht auf. Während ich Charly rauswerfe, greift sich Dirk Timmy (an diesen Tagen hört der dann nämlich auch nicht auf), ich schmeiße die Tür zu und Erik holt schon mal Desinfektionsmittel. Haben sich alle so einigermaßen beruhigt folgt die Schadensbegutachtung, gegebenenfalls Wundversorgung mit einer gehörigen Portion Strafpredigt und anschließendem Hundekorbarrest.  Lassen sie sich ihren Blödsinn in der Küche einfallen wenn ich gerade am Kochen bin, schleichen sie vermutlich mit gewaltigem Ohrenrauschen in ihre Körbe wenn ich mit ihnen fertig bin.

Ja, da kann ich schon mal lästig werden.

Sie können sich meinen Spott am nächsten Tag absolut sicher sein, wenn sie als Hinkelottaduo durch die Gegend humpeln.

Unsere Streithammel hatten sich am Abend zuvor mal wieder geprügelt. Eine Prügelei der heftigeren Sorte was glücklicherweise seltener vorkommt. Als ich Früh die Hunde rauslassen wollte, lagen beide noch in ihren Körben. Sie starrten sich an, knurrten, sprangen plötzlich wie von der Tarantel gestochen auf und rannten zur Treppe, jeder wollte der erste sein. Tja, nur blöd wenn man sich gegenseitig die Pfoten anknabbert und dann nicht mehr dran denkt. Sie purzelten flott die Treppe runter.

„Ist es euch wieder eingefallen? Jeder von Euch hat ein kaputtes Bein! Ihr könnt nicht richtig laufen, ihr habt jetzt nämlich Schmerzen“ erinnerte ich sie „aber ihr könnt euch ja gegenseitig stützen“. Bei dem einen war es das linke und bei dem anderen das rechte Bein.

Das kam für die beiden schon mal gleich gar nicht in Frage. Sie rappelten sich auf und hüpften, sorgfältig darauf achtend die jeweilige ramponierte Pfote nicht zu belasten, die restlichen Treppen abwärts. Und trotzdem konnten sie es nicht lassen sich knurrend wegzudrängeln. Es sah fast so aus als würden sie versuchen sich gegenseitig von der Treppe zu schuppsen.

Wieder einmal fragte ich mich, wo eigentlich der Unterschied zwischen den Hunden und den Kindern ist.

Man hört ja immer wieder, dass man raufende Hunde angeblich mit einem Eimer Wasser oder den Gartenschlauch auseinander bringt. Ich wollte das schon immer einmal ausprobieren, konnte mich aber nie dazu aufraffen. Der Gedanke hinterher alles wieder aufwischen zu müssen war zu abschreckend. Könnte natürlich auch sein das Timmy und Charly von diesem Tipp auch gehört haben und deshalb beschlossen haben „Nö, streiten nur im Haus“.

Aber eines Tages bekam ich die Gelegenheit.

2. Mai 2011

Charly der Schauspieler 3

Den Tag darauf war ich nicht da, Christa ließ ihn raus, er machte immer noch auf schwerverletzt. Jedenfalls solange bis ein Motorradfahrer vorbei fuhr. Spontan raste er ihm hinterher. Auf allen 4 Pfoten. Nun, so einem Motorradfahrer kann man ja nicht ewig hinterrennen, er kam wieder zurück, immer noch auf 4 Pfoten. Aber es fiel ihm rechtzeitig ein, bevor er um die Hausecke bog humpelte er wieder. Er konnte ja nicht wissen, dass man ihn durch das Fenster unseres Stüberl’s sehen konnte.

Wieder einen Tag später wurde er schon etwas nachlässiger, er vergaß zu hinken. Als ich allerdings rief „Charly, bist du wieder gesund!“, ging er umgehend lahm. Nun musste ich ihn darauf aufmerksam machen „Charly, das ist die falsche Pfote. Deine andere Pfote ist kaputt.“

Er zog seine Schau tatsächlich die ganze Woche durch. Am Wochenende kam meine Freundin zu Besuch und hatte ihre Hündin dabei. Shira war noch jung, sehr ungestüm und fand Charly super. Sie ließ ihn keine Sekunde in Ruhe und er konnte noch so ekelhaft zu ihr sein, es interessierte sie überhaupt nicht.

Charly zog seine Theater natürlich auch vor meiner Freundin ab, er war sogar besonders dramatisch. Es fehlte gerade noch das er mit letzter Kraft auf dem Bauch hergerutscht kam. Ich fand es jetzt schon ein bisschen stark übertrieben. Bei seinem Drama hatte er aber Shira ganz vergessen. Die sprang permanent um ihn herum und forderte ihn zum spielen auf. Entweder haute sie ihm die Pfote auf den Kopf oder buffte ihn mit ihrer Schnauze. Wie immer wurde es Charly zuviel und begann vor ihr zu flüchten. Tja, auf drei Beinen ist nur etwas schwierig schnell genug wegzukommen, dass begriff Charly nach einer Weile auch. Es kam zu einer Blitzgenesung, von einer Sekunde auf die andere konnte er wieder völlig normal laufen. Und vor allem schnell, abhängen konnte er Shira trotzdem nicht. Sie war schon viel zu häufig bei uns und kannte seine Verstecke.

29. Apr 2011

Charly der Schauspieler 2

„Ich glaub das du spinnst, du bist doch eben noch normal gelaufen!“

So das hatte ich davon, jetzt ging er nur noch auf drei Beinen. Dazu setzte er auch noch diesen Blick auf, der aussagte was für ein fürchterlicher Tierquäler man ist. Er drehte sich übertrieben qualvoll um und humpelte weiter zum Haus. An den ersten Stufen drehte er sich zu mir um, mit extrem leidenden Blick, und erwartete dass ich ihn hochhob.

„Und von was träumst du in der Nacht? Deine Pfote ist nicht so kaputt.“

Er schnaubte unwillig und kletterte umständlich die wenigen Stufen hoch. Natürlich vergaß er seinen vernichtenden Blick dabei nicht, damit ich mich auch wirklich schlecht fühle. Den Gefallen tat ich ihm jetzt aber nicht.

Charly blieb dabei, er war schwer verletzt. Immer wieder hielt er mir die Pfote hin, ich untersuchte sie auch jedes Mal genau. Ich drückte sie ab, drehte sie in alle Richtungen ohne das er auch nur einmal annähernd gefiept hätte. Für mich stand fest das er, wie schon des öfteren, wieder einmal markierte. Ich war mir eigentlich sicher, dass er am nächsten Tag, wie üblich, ganz normal laufen würde.  Tat er aber nicht, er humpelte weiter, wobei er sorgsam darauf achtete besonders stark zu lahmen wenn man ihn dabei beobachtete.

Wir waren gerade auf der Terrasse als Christa kam, wie immer wollte er postwendend zu ihr. Nachdem ich aber nicht sofort zur Tür hechtete um in raus zu lassen, dauerte es ihm zu lang und er sprang über den Zaun. Soviel zu seiner auf schwerste verletzte Pfote. Der Zaun war hoch und ging auf der anderen Seite noch etwas tiefer hinunter. Auf der anderen Seite des Zauns fiel ihm wieder ein dass er doch seine Pfote kaputt war. Augenblicklich zog er die Pfote hoch, hinkte auf 3 Pfoten zur Christa, setzte sich vor sie und hielt ihr die Pfote hin. Sie bemitleidete ihn ausgiebig, nicht das sie ihm geglaubt hätte. So ging es den restlichen Tag weiter. Sobald sich einer blicken ließ, humpelte er hin und war leidend.